Falschluft

Feuer im Ofen

Ich bin mit meiner Frau und Freundin in Brundobel. Kennt man nicht, ist eine abgehängte Gegend. Hier, an diesem Ort ist das gut so und auch deshalb ist der Bungalow, in dem wir uns für ein langes Wochenende eingemietet haben gerade hier: es gibt kein Netz, kein Empfang, nur eine Hand voll kleiner süßer Häuschen.

Frühstück wird vor die Tür gebracht, ein Bett in den Bäumen und nicht müssen müssen. Das Abendessen gibt es im Haupthaus für die Gäste der Häuschen. Vorzugsweise sitzen die „Häuser“ an einer großen Tafel um sich auszutauschen. Es hat ein paar Besuche gedauert, bis wir Lust hatten, den Zweiertisch zu verlassen und Abendessen mit Fremden nicht zu anstrengend war.

Gestern teilten wir den Tisch mit dem Bootshaus und dem Wasserhaus. Bürgerliche Namen sind dabei Schall und Rauch. Das Bootshaus ist auch eine Geschichte, aber die überspringe ich und komme gleich zum Wasserhaus. Er ein mittelgroßer Franke mit Ohrring und 5 Tage-Bart, elektrische Designer-Uhr, flach. Sie Jeanne  d’Arc – Frisur. Beide wirken nett.
Jedes Haus verfügt über einen kleinen Ofen, der den Romantik-Faktor fördert. Das Thema kam aufs Anfeuern und Schüren des Ofens. Der Franke aus dem Wasserhaus stellte sich als profunder Kenner der Materie heraus, was mich langweilte. Ich mache seit 40 Jahren immer irgendwie Feuer, meine Frau aber wurde mit der Eröffnungsthese voll in den Bann des Franken gezogen:

Rauch ist kalt! Angestachelt vom raumgreifenden Interesse ging es weiter: „Es gibt keinen Ofenzug, sondern nur aufsteigende warme Luft. Feuer muss von oben angezündet werden. Holz brennt nur 1,5 Stunden, egal wieviel man auflegt, die Vergasungszeit von Holz beträgt etwa 20 Minuten. Es bringt nichts, wenn Mann die Luft reduziert, solange das Holz noch mit gelber Flamme brennt. Dann Braucht das Holz Luft, alles andere verdreckt den Abzug.“

Tischzitat

Die Augen meiner Frau wurden immer größer und begeistert von so viel Wissen, sagte sie nur halb zu mir gewandt: „Schatz, wir haben das bisher immer falsch gemacht.“
Mein emotionales Gleichgewicht verschob sich. Was Katrin, meine Frau und Freundin meinte: „Schatz, du machst das ja immer falsch, ich dachte, dass du das kannst!?“
Diese miese kleine Wassermann aus Franken! Vielleicht sollte ich ihm mal mit einem Holzscheit den Bart stutzen?

Die Feuer brannten bisher immer zur Zufriedenheit, es war warm, flackerte und Nebelbänke zogen vielleicht vor dem Fenster aber nicht um den Ofen herum. Als Jugendliche im Schuppen meines Kumpels haben wir alles mögliche angezündet. Der Schuppen war natürlich aus Holz, die Fenster mussten geschlossen bleiben, war ja verboten. In dieser Grundschule des Feuer-Entfachens habe ich viel gelernt, auch über Luft. In meinen Indianerbüchern konnte ich nachlesen, wie ein Hirtenfeuer aufgeschichtet wird. Ich habe große und kleine Lagerfeuer gebaut. Öfen mit Kohle, Koks und Öl beheizt, im Sommer, Winter und bei Regen gegrillt!  

Und jetzt kommt der Wassermann von den Höhen des Fränkischen Waldes an unseren Tisch und meine Frau ist begeisterter. „Liebling“ will ich rufen, ja schreien:“ weißt du denn gar nicht, was für eine Bibliothek des Alltags du vor 15 Jahren geheiratet hast?“


„Natürlich muss die Tür nach dem Anzünden möglichst bald geschlossen werden, damit die Falschluft dem Ofendesign nicht im Wege steht.“

letzte Satz des Wassermanns, den ich hörte, bevor wir gingen

Festplatten

Festplatte offen

Festplatten gehen kaputt, d.h. sie gehen nicht, sie bleiben einfach stehen. Das ist selten, aber es passiert. Bei Festplatten heißt gehen drehen. Meist also drehen sie sich noch, aber dass nützt auch nichts, wenn sie nicht mehr gehen.
Festplatten sollten nur in Apotheken verkauft werden, bei Produkten, für die ein Beipackzettel Pflicht ist. Dort würde dann hinter dem dritten Knick und hellblau auf weißem Grund stehen: “ Es kann vorkommen, dass Festplatten kaputt gehen, oder stehen…“

Da schau: Festplatten haben kein ewiges Leben, warum das eigene ihnen anvertrauen?“

Festplatten gibt es beim ALDI, also überall.
Ohne Warnung.
Rechner gibt es jetzt schon ein paar Jahre. Warum ist es kein Allgemeingut, dass auf Festplatten gespeicherte Daten im nächsten Moment weg sind, verschwunden, verloren, vergessen, zerstört, verschlüsselt, einfach nicht mehr nutzbar! Klingt grausam, wenn es sich um Fotos, lange Texte und Musik handelt. Nicht so schlimm bei Spam-Mails und BrowserVerläufen.

So viel Zeit investiert und jetzt, weg?!Was bis du für ein Mensch, der uns sowas verkauft hat? Du bist ja das Letzte!

Dass ist gefährlich, für beide Seiten! Also, Festplatten nur auf Rezept mit großer Warnung und Unterschrift.
Der Mensch hat SSD’s erfunden, weil er nicht gern in Apotheken geht. Jetzt meint jeder jubelnde Nutzer, alles ist sicher, kann nichts passieren!

Eine Steinplatte ist es jedenfalls nicht, die würden lange halten.