Gewohnheiten sind gefährlich

Morgenhimmel

Bei Fledermäusen sind immer die gleichen Flugwege ein Zeichen für mangelnde Anpassung, damit gefährlich, wenn plötzlich ein Hochhaus im Weg steht. Politikerfahrzeugkolonnen nehmen immer andere Weg, jedenfalls lese ich das bei Schätzing, sonst auch gefährlich.
Wir stehen auch jeden Morgen früh auf, auch gefährlich, weil zu früh!

Die Gabe der Kommunikation ist noch nicht entfaltet, der Austausch von Informationen ist sehr reduziert und erfordert auf der Gegenseite die ebenfalls noch im Traum befindlichen Applikationsfähigkeiten des Geistes. Kurze Bruchstücke, die den Alltag regeln sollen. Die Kommunikation bricht sich durch die Morgensituation…
„Wenn ich eine Stunde länger schlafen könnte, wäre ich ein anderer Mensch.“ Ja, denk ich mir, vielleicht wäre es dann anders.
Die Morgen-Dämmerung am Wochenende kann für mich die schönste Zeit des anbrechenden Tages sein. Der andere Teil der Familie drehet sich nochmal unter der Decke auf die andere Seite, ich schalte die Espressomaschine an. Lesen, Kaffee, Bass: bis halb zehn nicht mehr oder weniger. Ein begrenzter eigenverantwortlicher Kosmos, herrlich entspannt.
Ist es wirklich besser, wenn wir den geregelten Tag dem Sonnen-Tag anpassen? Schule beginnt 9 Uhr, Geschäfte schließen eine Stunde später, Tagesschau um neun. Mehr schlafen wir dann auch nicht, aber die Sonne ist schon ein Stück weiter… keine Ahnung. Ich trink meinen Kaffee aus und gehe zur Arbeit, es dämmert noch.

Falschluft

Feuer im Ofen

Ich bin mit meiner Frau und Freundin in Brundobel. Kennt man nicht, ist eine abgehängte Gegend. Hier, an diesem Ort ist das gut so und auch deshalb ist der Bungalow, in dem wir uns für ein langes Wochenende eingemietet haben gerade hier: es gibt kein Netz, kein Empfang, nur eine Hand voll kleiner süßer Häuschen.

Frühstück wird vor die Tür gebracht, ein Bett in den Bäumen und nicht müssen müssen. Das Abendessen gibt es im Haupthaus für die Gäste der Häuschen. Vorzugsweise sitzen die „Häuser“ an einer großen Tafel um sich auszutauschen. Es hat ein paar Besuche gedauert, bis wir Lust hatten, den Zweiertisch zu verlassen und Abendessen mit Fremden nicht zu anstrengend war.

Gestern teilten wir den Tisch mit dem Bootshaus und dem Wasserhaus. Bürgerliche Namen sind dabei Schall und Rauch. Das Bootshaus ist auch eine Geschichte, aber die überspringe ich und komme gleich zum Wasserhaus. Er ein mittelgroßer Franke mit Ohrring und 5 Tage-Bart, elektrische Designer-Uhr, flach. Sie Jeanne  d’Arc – Frisur. Beide wirken nett.
Jedes Haus verfügt über einen kleinen Ofen, der den Romantik-Faktor fördert. Das Thema kam aufs Anfeuern und Schüren des Ofens. Der Franke aus dem Wasserhaus stellte sich als profunder Kenner der Materie heraus, was mich langweilte. Ich mache seit 40 Jahren immer irgendwie Feuer, meine Frau aber wurde mit der Eröffnungsthese voll in den Bann des Franken gezogen:

Rauch ist kalt! Angestachelt vom raumgreifenden Interesse ging es weiter: „Es gibt keinen Ofenzug, sondern nur aufsteigende warme Luft. Feuer muss von oben angezündet werden. Holz brennt nur 1,5 Stunden, egal wieviel man auflegt, die Vergasungszeit von Holz beträgt etwa 20 Minuten. Es bringt nichts, wenn Mann die Luft reduziert, solange das Holz noch mit gelber Flamme brennt. Dann Braucht das Holz Luft, alles andere verdreckt den Abzug.“

Tischzitat

Die Augen meiner Frau wurden immer größer und begeistert von so viel Wissen, sagte sie nur halb zu mir gewandt: „Schatz, wir haben das bisher immer falsch gemacht.“
Mein emotionales Gleichgewicht verschob sich. Was Katrin, meine Frau und Freundin meinte: „Schatz, du machst das ja immer falsch, ich dachte, dass du das kannst!?“
Diese miese kleine Wassermann aus Franken! Vielleicht sollte ich ihm mal mit einem Holzscheit den Bart stutzen?

Die Feuer brannten bisher immer zur Zufriedenheit, es war warm, flackerte und Nebelbänke zogen vielleicht vor dem Fenster aber nicht um den Ofen herum. Als Jugendliche im Schuppen meines Kumpels haben wir alles mögliche angezündet. Der Schuppen war natürlich aus Holz, die Fenster mussten geschlossen bleiben, war ja verboten. In dieser Grundschule des Feuer-Entfachens habe ich viel gelernt, auch über Luft. In meinen Indianerbüchern konnte ich nachlesen, wie ein Hirtenfeuer aufgeschichtet wird. Ich habe große und kleine Lagerfeuer gebaut. Öfen mit Kohle, Koks und Öl beheizt, im Sommer, Winter und bei Regen gegrillt!  

Und jetzt kommt der Wassermann von den Höhen des Fränkischen Waldes an unseren Tisch und meine Frau ist begeisterter. „Liebling“ will ich rufen, ja schreien:“ weißt du denn gar nicht, was für eine Bibliothek des Alltags du vor 15 Jahren geheiratet hast?“


„Natürlich muss die Tür nach dem Anzünden möglichst bald geschlossen werden, damit die Falschluft dem Ofendesign nicht im Wege steht.“

letzte Satz des Wassermanns, den ich hörte, bevor wir gingen